Der späte Winter (Gedicht)

Vielleicht liest der Winter ja diesen Eintrag und versteht den Wink mit dem Zaunpfahl. 🙂

Der späte Winter von Magdalene Philippine Engelhard (1756 – 1831)

Der späte Winter
(Den 28. März 1782)

Seht nur den Meister Winter an,
Wie patzig er sich machen kann
Mit seinem Altgesellen,
Mit Monsieur Nord, der uns zerzaust,
Und Ziegel von den Dächern saust,
Daß uns die Ohren gellen.

Schon wuchs das Veilchen innerlich
Und Keim und Knospen dehnten sich –
Wo sind nun ihre Spuren?
Bringt nicht der Narr noch über’s Meer
Den Schnee aus kalten Zonen her,
Und decket Berg und Fluren!

Du schadenfroher wilder Nord!
Mach‘ dich in deine Heimath fort,
Wo nie die Früchte färben.
Das Wetterglas wirfst du herab:
Und (was mir kaum mein Liebchen gab)
Gar den Levkojen-Scherben.

Des grünen Donnerstages Brauch,
Den grünen Kohl stiehlst du uns auch,
Wie mag es Manche grämen!
Unordentlicher Winter, geh!
Zu rechter Zeit gab’s keinen Schnee,
Nun will’s kein Ende nehmen.

Wart‘ nur, Frau Sonne steht schon hoch,
Wird dich – de über Zeit verzog –
Aus Sommers Grenzen jagen.
Dann schießen Blum‘ und Gras empor,
Aus Blüthen-Bäumen wird ein Chor
Von Nachtigallen schlagen.

Quelle:Deutschlands Dichterinnen, Vierte vermehrte Auflage, Verlag von Hermann Hollstein (Berlin), 1862, Seite: 14

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