Der freie Bürger (aktualisiert)

Wenn man zur Zeit die Nachrichten verfolgt, könnte man auf die Idee kommen, daß der Sinn und Zweck der Politik darin besteht Verbote auszusprechen. Egal ob Computerspiele, Pornos, Gen-Tests zur Klärung der Vaterschaft oder Musik am falschen Ort – alles wird verboten.

Wenn man aber über die Google-Newssuche in Erfahrung bringen will, was denn im Gegenzug alles erlaubt wurde, dann stößt man auf solche Schlagzeilen:

  • Nebeneinander radeln erlaubt
  • Rückschnitt von Hecken noch bis Ende Februar erlaubt
  • Rauchen bald nur noch im Extrazimmer erlaubt
  • EU erlaubt Schleichwerbung im Fernsehen
  • Pappnasen hinterm Steuer bei freier Sicht erlaubt
  • Firefox Popup-Blocker erlaubt Dateizugriffe

Hm, also irgendwas stimmt da nicht. Kann es sein, daß die Politik viel lieber verbietet als erlaubt? Lieber Freiheit wegnimmt als Freiheit gibt?

Irgendwie macht mir das Angst.


18.03., ARD-Presseclub – Thema: Der Ruf nach dem strengen Staat wird lauter.Deutschland – Land der Verbote?

Die eingeladenen Journalisten und Diskussionsleiter Peter Voß sind sich einig und setzen ein Zeichen: Nach vielen Jahre „Rauchverbot“ im dt. Fernsehen werden wieder die Aschenbecher ausgepackt und es wird geraucht. Tabu-Bruch als Zeichen für mehr Freiheit.

Vielleicht gibt’s ja noch Hoffnung …

Der späte Winter (Gedicht)

Vielleicht liest der Winter ja diesen Eintrag und versteht den Wink mit dem Zaunpfahl. 🙂

Der späte Winter von Magdalene Philippine Engelhard (1756 – 1831)

Der späte Winter
(Den 28. März 1782)

Seht nur den Meister Winter an,
Wie patzig er sich machen kann
Mit seinem Altgesellen,
Mit Monsieur Nord, der uns zerzaust,
Und Ziegel von den Dächern saust,
Daß uns die Ohren gellen.

Schon wuchs das Veilchen innerlich
Und Keim und Knospen dehnten sich –
Wo sind nun ihre Spuren?
Bringt nicht der Narr noch über’s Meer
Den Schnee aus kalten Zonen her,
Und decket Berg und Fluren!

Du schadenfroher wilder Nord!
Mach‘ dich in deine Heimath fort,
Wo nie die Früchte färben.
Das Wetterglas wirfst du herab:
Und (was mir kaum mein Liebchen gab)
Gar den Levkojen-Scherben.

Des grünen Donnerstages Brauch,
Den grünen Kohl stiehlst du uns auch,
Wie mag es Manche grämen!
Unordentlicher Winter, geh!
Zu rechter Zeit gab’s keinen Schnee,
Nun will’s kein Ende nehmen.

Wart‘ nur, Frau Sonne steht schon hoch,
Wird dich – de über Zeit verzog –
Aus Sommers Grenzen jagen.
Dann schießen Blum‘ und Gras empor,
Aus Blüthen-Bäumen wird ein Chor
Von Nachtigallen schlagen.

Quelle:Deutschlands Dichterinnen, Vierte vermehrte Auflage, Verlag von Hermann Hollstein (Berlin), 1862, Seite: 14

Spam(I)

Nach dem Siegeszug des ominösen Web 2.0 steht anscheinend die nächste Revolution in der Online-Welt bevor. Die Revolution im Netz des lebhaften Internetvideo wird mir in einer E-Mail versprochen.

Die Revolution im Netz des lebhaften Video. Sehe was du willst und wo du willst, frei.

Neues Projekt des lebhaftes Internetvideo wird in Umlauf gebracht.
Firma Earth-Cam bietet Ihnen absolut frei live-video anzusehen, angehend von Badestrande der besten Weltkurorten, Zentralplaetzen der weltberuemten Hauptstaedten, Stadionen, Geschaeften, Bueros und beendend mit Schlaf- , Badezimmern und Toiletten der einfachen Leuten. Jetzt sind in unseren Projekt mehr als 80 000 Web-Kamers aus 75 Laendern schon registriert.

Fur Videodurchsicht laden Sie kostenlos unseren speziellen live-Player herunter. Installationsdatei befindet sich im anzulegenden Datei. Sie konnen jetzt herunterladen und benutzen ihn absolut kostenlos. Jeweilige Werbungsaktion gilt nur bis 1. Marz 2007, nachher wird Player nur fur gewissen Preis, von 300 Euro an, zu erworben sein.

Diese neue Playersversion hat eine speziale Suchsystem der Web-Kamers nach Staedten, Laendern und Interessen (Freizeit, Sport, Geschaeftsleben, Privatleben, Erotik).

Laden Sie der Player herunter, stellen ihn ein und beobachten wer Sie wollen und was Sie wollen!

P.S. Der Player der Version „ecplayer“ im angehaengten Datei, funktioniert nur in Betriebsystem Windows.

MfG,
Earth-Cam Inc.
Sales Team.

<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//IETF//DTD HTML 2.0//EN">
<HTML><HEAD>
<TITLE>404 Not Found</TITLE>
</HEAD><BODY>
<H1>Not Found</H1>
The requested URL /w2/zupacha.php was not found on this server.<P>
<P>Additionally, a 404 Not Found
error was encountered while trying to use an ErrorDocument to handle the request.
</BODY></HTML>

Aus dem Grab …

Der Leichenfledderer Fernsehsender Kabel1 bringt heute ein „Event“ eine Sendung über den österreichischen Musiker Falco (1957-1998). Kabel1 wirbt damit, einen neuen Song des Künstlers zu zeigen.

Wie der Sender an einen neuen Song des vor über 8 Jahren bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückten Musikers bringen will, bleibt sein Geheimnis.

Dahin, wo’s weh tut

SELFHTML-Gründer Stefan Münz äußerte sich heute im im SELFHTML-Forum zu seinem Ausstieg aus dem Projekt. Unter anderem schrieb er:

[…]Ausserdem entdeckt dieses eigentlich typische Stammpublikum von SELFHTML, die „Normalos“, so ganz allmaehlich, dass man im Web auch ohne HTML und all das publizieren kann. Ganz schicke Sachen gibt es da, allein schon, was man mit einem kostenlosen Google-Account alles veroeffentlichen kann, oeffentliche Kalender, Notebooks, Spreadsheets, Web-Alben, Videos, Blogs, eigene Diskussionsgruppen … die Leute lernen allmaehlich, dass aktives Webworking nicht mehr zwangslaeufig bedeutet, sich erst mal lange und demuetig irgendwelchen voellig unbekannten Programmiersprachen und Netzprotokollen zu widmen. […]

[…] aber die Beschreibungs- und Programmiersprachen im Web haben fuer mich ihre fruehere Bedeutung als „Eintrittskarte in die Welt des Webworkings“ verloren. Und aus dem gleichen Grund auch SELFHTML, so hart das klingen mag. […]

Autsch, das tut weh.

Die Energie des Verstehens und HTML-Dateien selbst erstellen haben im modernen Web 2.0 keinen Platz mehr?

Vielleicht ist das so. Für mich ist das aber noch lange kein Grund, in diesem Blog den WYSIWYG-Editor einzuschalten. Auch Frontpage & Co. kommen bei mir auch weiterhin nicht auf die Platte. Ohne „die Energie des Verstehens“ kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen. Dafür gehört Stefan Münz meine ewige Dankbarkeit.

SELFHTML am Ende?

Heute erklärten Sven Wacker und SELFHTML-Gründer Stefan Münz ihren Ausstieg aus dem SELFHTML-Projekt. Gründe nannten beide in ihren Postings in der SELFHTML-Wiki-Mailingliste allerdings nicht.

Beide waren in den letzten Monaten mit dem Aufbau eines SELFHTML-Wiki beschäftigt. Dieses Wiki war wohl die letzte Chance für eine Weiterführung des Projekts. Der Aufbau des Wikis sollte der statischen SELFHTML-Version (aktuell ist die Version 8.1.1 vom 24.11.2005) sehr ähnlich sein – allerdings wurden die Inhalte komplett neu geschrieben und an die aktuellen Entwicklungen im Bereich Webentwicklung angepasst. Mit dem Ausstieg der Beiden, dürfte das Projekt allerdings gestorben sein.

Vielleicht wird es so langsam Zeit sich nach einer neuen HTML-Referenz umzuschauen?